Radfahren

Hier ist eine kurze Liste mit meinen größeren Radtouren, die neben buchstäblich hunderten von Touren in der Bodenseegegend zusammenkamen. Bis 2003 fuhr ich auf meinen Touren ein ganz gewöhnliches Tourenrad, dann ein Rennrad Marke Frankenstein (d.h. aus allen möglichen Teilen zusammengestückelt) und seit Mai 2007, in Erwartung eines Spitzenverdienstes als Doktorand gekauftes Centurion Hyperdrive Rennrad.

Tortour (Bodensee-Lago Maggiore und zurück, August 1998)

Routenbeschreibung

  1. Romanshorn - Heiden - Teufen - Urnäsch - Wattwil - Rickenpass - Rapperswil
  2. Rapperswil - Einsiedeln - Schwyz - Göschenen - Hospental
  3. Hospental - Gotthardpass - Ascona - Verbania
  4. Verbania -
  5. - San Bernadino Pass - Thusis
  6. Thusis - Davos - Wolfgang
  7. Wolfgang - Wolfgangpass- Klosters - Bad Ragaz - Filzbach (am Walensee)
  8. Filzbach - Rickenpass - Wattwil - Wil - Amriswil - Romanshorn

Dies war meine erste größere Radtour. In drei Tagen bin ich vom Bodensee via Gotthardpass nach Verbania am Lago Maggiore geradelt, wo ich meinen Bruder abgeholt habe. Zusammen sind wir dann über den San Bernardino Pass, Davos und den Walensee zurück an den Bodensee geradelt.

Schottland (Juni 2000)

Routenbeschreibung

  1. Edinburgh - Arden
  2. Arden (JH Loch Lomond) - Luss - Tarbet - Arrochar - Ardgartan - Glenkinglas - Cairndow - Clachan - Inveraray
  3. Inveraray - Cladich - Portisherrich - Eredine - Ford - Garraron - Ardvaine - Kilmelford - Kilninver - Oban
  4. Oban: Ausruhen
  5. Isle of Mull: Craignure - Duart Castle - Strathcoil - Glen More - Balnahard - Knock - Killiechronan
  6. Killiechronan - Salen - Tobermory
  7. Tobermory - Dervaig - Calgary - Killiechronan - Salen - Craignure - Fähre nach Oban
  8. Oban - Connel - Pass of Brander - Ben Cruachan Power Station -Kilchum Castle - Dalmally - Glen Lochy - Crianlarich - Killin
  9. Killin - Lawers - Fearnan - Fortingall - Keltneyburn - Tummel Bridge - Quenn`s View - Pass of Killiecrankie - Blair Atholl/Blair Castle
  10. Blair Atholl - Calvine - Dalchalloch - Kinloch Rannoch - Bridge of Gaur - Rannoch Station
  11. Rannoch: Warten auf Oli und Jörg, Fahrt mit Zug nach Fort William
  12. Fort William - Banavie - Gairlochy - Burnakaig - Clunes - Loch Lochy - Kilfinnan - Invergarry - Fort Augustus - Invermoriston
  13. Invermoriston - Glen Moriston - Loch Cluanie - Glen Shiel - Eilean Donan Castle - Kyle of Lochalsh - Kyleakin
  14. Isle of Skye: Kyleakin - Broadford - Torrin - Kilmarie - Loch Slapin (bei Torrin)
  15. Isle of Skye: Loch Slapin - Braodford - Kyleakin
  16. Kyleakin - Kyle of Lochalsh, mit Zug nach Garve
  17. Garve - Black Water - Loch Glascarnoch - Strath More - Ullapool
  18. Ullapool - Ardmair - Elphin - Ledmore - Altnacealgach - Oykel-Bridge - Strath Oykel - Altass - Inveran - Culrain
  19. Culrain - Ardgay - Fearn Lodge - Dalnavie - Evanton - Culbokie -N. Kessock - Inverness

Nach einem Jahr als Sklav.. äh Zivi wollte ich mir einen Traum erfüllen und durch Schottland radeln. Die erste Hälfte der Tour war ich alleine unterwegs, in der zweiten Hälfte begleiteten mich Oli und Jörg. Grob gesagt ging es von Edinburgh zuerst mal zum Loch Lomond und dann weiter nach Oban. Nach einer Rundtour auf der Isle of Mull ging es wieder landeinwärts, zum Pass of Killicrankie und dem Blair Castle. In Rannoch Station sollte ich eigentlich Oli und Jörg treffen. Wieso wir uns gerade für diesen Ort entschieden haben weiss ich gerade nicht mehr, aber einen gottverlasseneren Ort muss man ersteinmal finden. Der Bahnhof von Rannoch liegt 15 km oder so vom nächsten Dorf entfernt mitten in besagtem Rannoch Moor. Nun ja, auf jeden Fall haben die beiden den Zug verpasst und somit musste ich auf den nächsten Zug warten, der exkat 24 Stunden später kam! Einen Tag später sassen die beiden tatsächlich im Zug und wir fuhren dann mit dem Zug weiter nach Ft. William um die verlorene Zeit wettzumachen. Von Ft. William ging es dann zur Isle of Skye, was eigentlich der Höhepunkt unserer Tour werden sollen. Nur regnete es nicht mehr nur in Strömen (insgesamt hatte ich vielleicht zwei Sonnentage, sonst mehr oder weniger Dauerregen), sondern es wurde richtig kalt. Nach einer Nacht campen auf Skye sind wir wieder zurück aufs Festland und auf der Suche nach besserem Wetter per Zug ins Landesinnere, nach Garve. Von dort ging es noch weiter nach Norden, nach Ullapool bevor es zurück an die Ostküste, nach Culrain und Inverness ging.

Sechs-Pässe Tour (Julier-,Maloja-,Gotthard-,Furka-,Grimsel- und Brüning-Pass, August 2001)

Routenbeschreibung

  1. Friedrichshafen - Thusis
  2. Thusis - Julierpass - St. Moritz
  3. St. Moritz - Malojapass - Menaggio
  4. Menaggio - Lugano - Chiggiogna
  5. Chiggiogna - Airolo - Gotthardpass - Hospental
  6. Hospental - Furka Pass - Gletsch - Grimselpass - Meiringen - Brienz
  7. Brienz - Brüning Pass - Luzern
  8. Luzern - Zug- Rapperswil - Wattwil - Wil - Konstanz - Friedrichshafen

Tour Bodensee-Massif Central-Provence-Ligurische Küste (April 2007)

Routenbeschreibung

  1. Konstanz - Wil - Wattwil - Rickenpass - Rapperswil - Zug - Luzern
  2. Luzern - Brüningpass - Brienz - Interlaken - Thun - Bern
  3. Bern - Fribourg - Nyon
  4. Genf - Aix les Bains
  5. Aix les Bains - Annecy - Col du Chat -Vienne
  6. Vienne - Le Tracol - Yssingeaux - Retournac - Le Puy
  7. Le Puy - Aubenas
  8. Aubenas - Les Gorges d'Ardeche - Orange - Carpentras
  9. Carpentras - Gorges de - Sault - Manosque
  10. Manosque - La Palud sur Verdon
  11. La Palud sur Verdon - Grasse - Nizza
  12. Nizza - Monaco - Menton - San Remo - Finale Ligure

Dies war meine Ich-hab-mein-Diplom-Radtour. Ich wollte schon immer einmal mit dem Rad vom Bodensee an die Cote d'Azur fahren und dies schien die Gelegenheit dazu zu sein. Da es allerdings Recht früh im Jahr war, April, kam eine Tour über höhere Alpenpässe jedoch nicht in Frage. Diese Einschränkungen führten dann zu einem Tourenverlauf durch die Zentral- und Westschweiz und dann nach einem Abstecher an den Oberlauf der Loire und an die Ardeche durch die Provence. Allesinallem eine wunderbare Strecke.

Gorges d'Ardeche, April 2007

Zunächst ging es via Luzern und den Thuner bzw. Brienzer See nach Bern, von dort dann weiter nach Genf. Nach Genf ging es -- grob gesagt -- der Rhone entlang nach Aix-les-Bains und von dort nach Vienne, welches südlich von Lyon liegt. Dann folgte eine Gewaltetappe zum Oberlauf der Loire, genauer nach Le Puy. Das dieser Tag ziemlich anstrengend werden würde, war mir schon im voraus klar, aber dass er so anstrengend würde hätte ich nicht gedacht. Das lag auch daran, dass ich auf der Landkarte mal locker zwei Pässe übersehen hatte... Hat sich aber trotzdem gelohnt, da Le Puy eine sehr schöne Innenstadt hat und auch das letzte Stück die Loire entlang wunderbar war. Nach Le Puy ging es dann nach Aubenas, welches schon am Oberlauf der Ardeche liegt. Am nächsten Tag folgte dann der erste Höhepunkt der Tour, die Schlucht der Ardeche. Landschaftlich top, nur für meinen Geschmack waren etwas zu viele Wohnmobile auf der Strasse unterwegs.

Grand Canyon du Verdon, April 2007

Von Carpentras ging es dann durch die Gorges de Nesque hinein in die Provence, zunächst nach Manosque. Von dort ging es dann durch einen weiteren Höhepunkt der Tour, den Grand Canyon du Verdon. In Palud sur Verdon, einem winzigen Nest in der Schlucht, habe ich dann in einer winzigen Herberge übernachtet. Von Palud ging es dann schlussendlich via Grasse hinab ans Mittelmeer nach Nizza. Da es von Nizza keine vernünftigen Zugverbindungen zurück zum Bodensee zu geben scheint, bin ich dann der Küste entlang nach Italien hinein geradelt. Ein folgenschwerer Fehler. Zwar ist die Strecke durchaus schön, doch hat es irre viel Verkehr und nun ja, italienische Autofahrer kümmern sich einen Dreck um Radfahrer. Auf jeden Fall kam ich dann irgendwann einmal in Finale Ligure an, wo dann die Jugendherberge auch noch zu allem überfluss ganz oben auf dem Berg liegen musste... Am nächsten Tag sollte es heim gehen, doch haben gerade mal wieder die Eisenbahner gestreikt. Letzteres hab ich aber erst nach einem am Bahnhof mit warten verbrachten morgen erfahren. Schlussendlich hat dann die Heimfahrt einen Tag später geklappt. Dies war aber auch schon die einzigste Sache, die nicht ganz optimal an dieser Tour war.

Quickie Bodensee-Comer See (Mai 2007)

Routenbeschreibung

  1. Konstanz - St. Marghreten - Thusis
  2. Thusis - Via Mala Schlucht - Splügen Dorf - Splügen Pass - Menaggio
  3. Menaggio - Lugano

Carsten und Paul, Splügenpass, Mai 2007Mit dieser Radtour habe ich mich von meinen beiden Konstanzer Radkumpeln Carsten und Paul verabschiedet. Wiedereinmal diktierten äußere Zwänge den Tourverlauf. Zum einen wollte Carsten unbedingt einmal von Konstanz nach Italien geradelt sein. Zum anderen musste ich ein paar Tage später endgültig in Delft sein. Daraus ergab sich dann die kürzestmögliche aller Alpenüberquerungen: Einmal von Konstanz aus das Rheintal hochbolzen, dann über den Splügenpass an den Comer See. Am letzten Tag dann nur noch gemütlich nach Lugano und von dort mit dem Zug heim.

Eifel und Hohes Venn (Oktober 2007)

Routenbeschreibung

  1. Maastricht - Slenaken - Eupen - Botrange (höchster Punkt Belgiens, 700 m) - Elsenborn - B¨tgenbach - Prüm - Gerolstein
  2. Gerolstein - Kelberg - Nürburgring - Blankenheim - Schleiden - Gemünd - Nideggen - D¨ren

Nach vier Monaten in Holland musste ich mal wieder H¨gel sehen. Schnell war eine Wochenendtour geplant: Per Zug nach Maastricht und dann durchs Hohe Venn und dann weiter in die Eifel. Ursprünglich wollte ich dann weiter bis Vianden in Luxembourg, aber bei der Planung hatte ich wohl den falschen Masstab auf der Karte genommen... So waren es schon bis Prüm knappe 130 km, also indiskutabel noch weitere 60 oder so km nach Luxembourg zu radeln. Hinzukam, dass ich viel später als geplant in Maastricht loskam: zwölf Uhr statt acht Uhr. So kürzte ich eben ab spurtete gejagt vom Sonnenuntergang nach Gerolstein. Am nächsten Tag ging es dann am Nürburgring vorbei und der Ahr entlang nach Blankenheim und von dort via Schleiden nach Düren.

Schweiss statt Sangria (Mallorca, März 2008)

Ja, also alles fing mal mit einer Mail von Carsten an: wir müssen mal unbedingt wieder zusammen Radfahren. Sein Vorschlag: Mallorca. Naja, ich war dann erstmal ein bisschen skeptisch, da ein Trip nach Mallorca zwei Sachen mit sich bringt, die ich auf den Tod nicht ausstehen kann: a) Party-Touristen und b) Fliegen. Was das Fliegen angeht, da kommt man wirklich nicht drumherum, aber in Sachen Party-Touristen hatten wir Glück. Da ja noch früheste Vorsaison war, gab es praktisch keine. Zumindest nicht in Can Picafort, wo wir waren. Könnte auch daran liegen, dass dort noch die meisten Hotels und alle anderen Tourifallen geschlossen waren. Und nun, was Fliegen angeht: Irgendwie war es dann doch halb so wild. Ist halt doch ein Unterschied ob man nur nach Malle fliegt oder gleich Transatlantik. Auf jeden Fall ging alles problemlos, auf dem Flughafen in Palma wartete auch schon Carsten und unseren Busfahrer nach Can Picafort hatten wir auch schnell gefunden. Wir hatten allerdings ein kleines Problem mit ihm: Auf seine Frage, woher wir kämen antworteten wir -- wahrheitsgemäss -- Amsterdam bzw. Frankfurt. Aus seiner Liste standen aber nur zwei Personen vom Flug aus Amsterdam, und ihm klar zu machen, dass wir in der Tat diese zwei sind obwohl Carsten eigentlich aus Frankfurt kam, war eine mittelschwere übung in Gebärdensprache. Naja, wer in der Touribranche arbeitet sollte halt wenigstens ein bisschen Englisch können. Schlussendlich schafften wir es dann zum Hotel und konnten dann schon abends unsere Mieträder abholen. Mit dieseb sind wir dann gleich noch für eine Stunde die Küste entlanggejagt und haben wohl eine halbe Armee Radfahrer demoralisiert. Die: Nach 100+ km langsam auf dem Zahnfleisch gehend und Richtung Hotel schleichend. Wir: frisch aus dem Flieger, den ganzen Tag nix getan und daher vergleichsweise fit. Und daher flogen wir nur so an den anderen so vorbei, auch an den ganzen Fanatikern mit ihren unendlich viel besseren Rädern.

So, nun zweiter Tag: Der Plan war, zum Cap Formentor zu radeln, der äußersten Nordwestspitze Mallorcas. Zuerst ging es dann die schon gestern erprobte Strecke nach Alcudia, immer der Kueste entlang. Aber im Vergleich zum Vortag windetete es wie verrückt. Natürlich aus der falschen Richtung. Beim Radfahren windet es ja immer aus der falschen Richtung. In Alcudia machten wir dann unsere erste Erfahrung damit, wie in Spanien Schilder platziert werden: Irgendwo in der hintersten Ecke, so dass man sie auf keinen Fall sehen kann und daran vorbeifährt. Nun gut, nach einer Stunde Irrfahrt in eine Sackgasse, welche in einem Golfplatz endete, kamen wir wieder an eine Stelle die uns bekannt vorkam: Das Stadttor von Alcudia! So ein Scheiss. Nach ein paar nicht mehr nachvollziehbaren Haken kamen wir dann schlussendlich in Port Pollenca an, dem Ende des flachen Streckenstücks. Von hier aus gibt es nur noch eine Strasse zum Cap, also keine Chance auf Verfahren. Allerdings springt die selbige Strasse immer von einer Küste zur anderen, zwischendrin immer ca. 200 Hoehenmeter oder so. Anfangs konnte ich mit Carsten noch Recht gut mithalten, doch irgendwann ging mir der Dampf aus und ich quälte mich und quälte mich.... Carsten war schon weit vor mir und mir viel es langsam schwer seiner Behauptung zu glauben, dass er absolut untrainiert sei. Die natürliche Ordnung war ja bisher immer, dass ich ihm am Berg wegfahre und nicht andersrum. Auf jeden Fall kamen wir schlussendlich am Cap an, wenn auch der Wind mehr und mehr Probleme machte. Man musste schon richtig gut aufpassen, dass man -- wenn man z.B. aus dem Windschatten der Berge kam -- nicht buchstäblich von der Strasse geblasen wurde.

Nun, der dritte Tag lässt sich ziemlich schnell zusammenfassen: Die natürliche Ordnung war wieder hergestellt. Nachdem Carsten mich am Vortag ja ziemlich abgehängt hatte, war heute wieder alles so wie früher: In der Ebene fahren wir fast gleich schnell, wenn es hochgeht bin ich definitiv der bessere Kletterer. Nun, zur geographischen Orientierung: Es ging nun durchs Landesinnere immer nach Süden zum Dorf Randa und von dort ein paar hundert Höhenmeter aufwärts zu einem Kloster. Der Wind hatte nun auch gedreht und kam jetzt -- natürlich!-- aus Süden. Wir hätten vielleicht dem Gott der Radfahrer doch einen Schlauch oder Mantel opfern sollen um ihn gnädig zu stimmen! Nun, wir quälten uns dann nach Süden, 20 km/h waren schon Spitzengeschwindigkeit bei diesem Wind. Ab Randa ging es dann viel besser: Wir waren im Windschatten eines Berges und es ging nur noch Serpentinen aufwärts. Und ich liebe Serpentinen! Also, alles bestens. Die Rückfahrt an die Küste war dann auch klasse, da der Wind weiter aus Süden kam und wir daher Rückenwind hatten. Die gleiche Strecke, auf der wir uns mit 15, 20 Sachen nach Randa gequält hatten fuhren wir jetzt mit knappen 45, 50 zurück. Mannomann. Abends, nach dem Abendessen stand noch eine Audienz bei Gott auf dem Programm: Unser Radverleiher hatte Marcel Wüst (Ex-Radprofi, heute Tour de France Kommentator bei der ARD) den Tag über für eine geführte Radtour (war uns jedoch zu teuer) und eine Fragestunde am Abend engagiert. War ganz nett, die Fragestunde, aber auch ein bisschen mager. Nein, natürlich hat er nie gedopt und Doping bringt auch nicht wirklich was.... Naja, das interessante waren eher die Geschichten aus dem Nähkästchen, so wie er zum Beispiel -- als Sprinter! -- der Deutsche, der am längsten das Bergtrikot trug, wurde.

Nachdem wir den Nordwesten und Zentralmallorca ein gutes Stück weit erradelt hatten, ging es dann am Samstag in den Nordosten. Ersteinmal die Küstenstrasse nach Arta und von dort-- auf einem winzigen Landsträßchen -- zum Kloster Ermite de Betlem. Da selbiges am Ende einer Sackgasse liegt, praktisch kein Verkehr ausser -- natürlich -- Rennradlern. Aber von diesen nicht zu knapp. In Arta ist dann Carsten direkt zurück nach Can Picafort während ich noch eine kleine Runde durchs Hinterland drehen wollte. Eine nicht besonders gute Idee. Die Strasse war nämlich genaugenommen ein Schlagloch, nur stellenweise unterbrochen von Teer. Nichtsdestotrotz war sie auf der Karte, die ich vom Radverleih bekommen hatte, als Rennradroute ausgewiesen. Gut, Mountainbike wäre wohl passender gewesen. Nach 10 km hatte ich das dann hinter mir und nun ging es Richtung Manacor. Kurz vor dem Ort sollte es dann eine Abzweigung zurück zu Küste geben. Habe ich schon einmal erwähnt, dass die Spanier sämtliche Strassenschilder gut tarnen? Auf jeden Fall war ich dann plötzlich in Manacor und alle Strassen schienen nur auf die Schnellstrasse nach Palma zu führen. Also gut, wieder ein paar Kilometer zurück und tatsächlich, da gab es eine Abzweigung. Den Wegweiser konnte man aber wirklich nur sehen, wenn man aus Richtung Manacor kam.

Ja, vielleicht noch was zum Hotel: Eigentlich eine typische Hotelanlage für Mallorca, direkt am Strand und mit Swimmingpool und allem was der Durchschnittstouri so braucht. Nur der Durchschnittstouri war eben mehr oder weniger noch nicht anwesend. Gut, was hätte der auch bei 10, 15 Grad auf Mallorca verloren. Baden ist da nicht drin und alles, was ein Party-Tourist interessant fände war auch noch zu. Nix mit von einer Sangria-Bar zur anderen taumeln. So war dann das Hotel fast ausschliesslich mit Radfahrern bevölkert. Aber da gibt es ja auch verschiedene Typen. Zum einen den unambitionierten Tourenradler, der halt ein bisschen rumgurkt so von Cafe zu Cafe aber bitte nicht zu arg in die Berge. Das sind so ungefähr die Parias. Dann eben den Spass-Rennradler, so wie ich mich und Carsten einschätze. Eben Leute, die schon einen gewissen Ehrgeiz haben in Sachen Kilometer- und Höhenmeterleistung haben, aber noch einen -- so glaube ich -- gesunden Bezug zur Realität. Wobei hin und wieder der Ehrgeiz mit einem schon durchgeht. Am zweiten Tag bin ich nach hundert Kilometern erst mal am Hotel vorbeigerauscht weil ich meine Durchschnittsgeschwindigkeit noch unbedingt auf 23 km/h pushen wollte. Gut, aber für solche Leute hat natürlich der Hardcore-Rennradler nix übrig, denn a) ist ein Durchschnitt von 23 km/h für ihn nur kriechen und b) hundert Kilometer, das macht er am morgen vor dem Frühstück. Natürlich hat der Hardcore-Rennradler auch sein eigenes Rad mitgebracht, denn mit einem Leihrad zu fahren ist einfach nicht cool genug. Gut, im Hotel waren wir Spass-Rennradler glaube ich in der Mehrheit, wenn es auch ein paar von diesen durchgeknallten Typen gab. Diese liesen dann hin und wieder so Kommetare fallen wie "Scheisse, morgen wir das Wetter schlecht und ich muss doch mindestens 200 km fahren". Naja, das Wort müssen gab es für uns nicht. Schliesslich soll es ja auch Urlaub sein. Und so haben haben Carsten und ich dann am Ostersonntag das Radeln geschwänzt, da am Sonntag morgen das Wetter unter aller sau war und so verbrachten wir den Tag dann in Palma.

So, jetzt waren wir schon fast eine Woche auf Mallorca und daher höchste Zeit mal richtig in die Berge zu fahren. Inzwischen waren mir ja Hügel -- nach 10 Monaten in Holland nur eine ferne Erinnerung -- wieder einigermassen vertraut und daher sollte es jetzt richtig los gehen. Also zuerst ging es noch einmal quer durchs Hinterland nach sa Pobla und von dort nach Campanet welches am Fuss der Berge liegt. Von dort dann immer bergauf Coll de Sa Batalla, welcher auf knappen 600 Metern liegt. Schon hier kamen immer mal wieder Autos mit Schnee auf dem Dach bzw. Windschutzscheibe entgegen -- eines sogar mit einem kompletten Schneemann vorne drauf. Und tatsächlich, auf den Bergen rings um uns herum lag tatsächlich Schnee. Glücklicherweise nur ein paar hundert Höhenmeter über uns aber immerhin. Da gibt es ja noch eine Story über Schnee. Eigentlich war ja mein Vorschlag für eine Radtour irgendwas in der Eifel/Pfälzer Wald usw. gewesen. Und dann als Anfang März Carstens Auto schon mal kurz für tot erklärt worden war hatten wir tatsächlich begonnen, eine Tour durch die Vogesen zu planen. Zum Glück war dann sein Auto doch nicht tot und wir konnten den Urlaub in Mallorca buchen (merke, auch Nicht-Doktoranden haben nicht unbeschränkte Reichtümer). Auf jeden Fall, als ich am Samstag nach unserer Tour am Duschen war hörte ich plötzlich hysterisches Gekichere aus unserem Zimmer. Was war geschehen? Nun, Carsten hatte mal unseren Fernseher eingeschaltet und was war die Top-Neuigkeit? Genau, 50 cm Neuschnee im Schwarzwald und somit wohl auch in den Vogesen. Da wären wir wohl nicht weit gekommen... Gut, also zurück zu unserer Tour, vom Coll de Sa Batalla ging es dann auf einer Bergstrasse Richtung Süden, wir wollten den "Krawattenknoten" sehen, einer der legendären Pässe auf Mallorca. Nun, an der Stelle, wo die Strasse zum Krawattenknoten abzweigt war noch nichts zu sehen und ein paar hundert oder so Höhenmeter hinunter um nachher wieder hinaufzufahren war uns dann auch zu mühsam. Daher ging es zurück zum Coll de Sa Batalla und von dort dann weiter auf der Bergstrasse nach Pollenca und von dort wieder die Küste entlang heim. Auch so eine 110 km und knapp 1100 Höhenmeter Tour.

Am Dienstag, unserem letzten Tag, sind wir dann nur noch ein bisschen durchs Hinterland gekurkt. über Sineu nach Inca. Dort hatte dann Carsten keine Lust mehr und ich bin dann allein weiter, wieder nach Campanet wie schon gestern und von dort sollte es nach Sa Pobla gehen. Sollte. Hab ich schon einmal erwähnt dass in Spanien...? Ja, ich glaube schon mehrfach. Auf jeden Fall habe ich in Campanet die Abzweigung verpasst und bin schlussendlich wieder in Inca gelandet. Nun, da es wohl nicht mehr nach Pollenca und zurück reichen würde, bin ich dann halt auf den nächstgelegenen Berg hochgefahren -- zum Ermita de Santa Magdalena. Wieder so ein Kloster. Danach dann immer der Autobahn entlang nach Sa Pobla und via Muro zurück. Inklusive Verfahren waren es dann auch wieder 115 km.

Zur Heimreise läßt sich kurz sagen: war eine Odysse. Sieben Stunden auf Flughäfen rumhängen, zweieinhalb Stunden Flug und nochmal zwei Stunden Taxi bzw. hier in Holland Zug. Aber bevor ich dazu kam, Zeit auf dem Flughafen totzuschlagen bin ich erst einmal in Can Picafort rumgehangen. Carsten fuhr morgens um halb neun, mein Taxi sollte abends um fünf gehen -- grade so um den Flieger um dreiviertel acht zu erwischen. Gut, so bin ich halt den Tag über etliche male den Strand abgewandert.. Um fünf gings dann Richtung Flughafen. Dummerweise hatte es dann ein ziemlich heftiges Gewitter in Palma, so dass -- nachdem schon alle in den Rollfeldbussen waren -- das Boarding verschoben wurde. Zunächst hiess es um 20 Minuten. Naja, zurück in das Flughafengebäude und warten, warten und warten. Aus 20 Minuten wurden dann eher zwei Stunden. Um neun dann endlich rein ins Flugzeug. Aber dann geht wieder nix weiter. Irgendwann bequemt sich dann eine Stewardess uns mitzuteilen, dass man noch auf Passagiere von anderen Flügen warte, die wegen des Gewitters auf Menorca, Ibiza oder weiss der Geier noch wo landen mussten. Warten, warten und nochmal warten. Eigentlich ist das Flugzeug schon so proppevoll, es können also nicht allzuviele Leute sein. Eine Stunde später tauchen dann die zehn oder so Passagiere auf und es kann losgehen. Um viertel nach zehn -- lockere zweieinhalb Stunden zu spät -- ging es dann endlich los. Um halb eins dann war ich in Amsterdam. Da das Gepäck dann nicht gleich kam, habe ich dann noch zu allem überfluss noch meinen Zug verpasst und musste noch eine weitere Stunde in Schiphol umherwandern, bis ich um zwei dann endlich aus dem verdammten Ding rauskam. Schlag (ich wohne neben der Kirche) drei Uhr war ich dann endlich daheim.

Fazit: Klasse Urlaub und daher unbedingt wiederholenswert!

Voralberg, Tirol und Graubünden (Juli 2008)

Routenbeschreibung

  1. Friedrichshafen - Lindau - Lindenberg - Weiler - Sulzberg - Hittisau - Egg - Au - Hochtannbergpass (1676 m) - Holzgau (151 km)
  2. Holzgau - Hahntennjoch (1894 m) - Imst - Sölden (96 km)
  3. Sölden - Obergurgl - Timmelsjoch (2474 m) - Meran - Schlanders (113 km)
  4. Schlanders - Stilfser Joch (2757 m) - Umbrail Pass (2501 m) - Sta. Maria im M¨nstertal (60 km)
  5. Sta. Maria im M¨nstertal - Ofenpass (2149 m) - Flüela Pass (2383 m) - Davos - Wolfgangpass - Landeck - Bad Ragaz - Amstetten (174 km)

Nach einem Jahr Niederlande, war es mal wieder an der Zeit sich daran zu erinnern, dass es so etwas wie Berge gibt. Ursprünglich wollte ich eigentlich über die Großglockner-Hochalpenstrasse Richtung Dolomiten (Cortina d'Ampezzo) und dann einmal quer (Brixen, Jaufenpass, Meran) durch Südtirol Richtung Stilfser Joch radeln, doch dann war das Wetter zu schlecht, so dass ich lieber daheim am Bodensee blieb und meine Tour immer kürzer und kürzer wurde.

Heraus kam dann folgende Tour: Am ersten Tag via Lindau und Lindenberg nach Sulzberg, dort kurz verschnaufen und die tolle Aussicht über den Bregenzer Wald geniessen. Dann ging es über Hittisau nach Egg und dann immer weiter und weiter auf der Bregenzerwaldstrasse. Zum Schluss -- sozusagen als grosses Finale -- ging es dann noch auf das Hahntennjoch hoch. Die Abfahrt nach Holzgau war dann nur noch sozusagen Zugabe.

Erste Ernüchterung am zweiten Morgen: Es schüttet -- und wie. Nichtsdestotrotz mache ich mich auf den Weg, schliesslich sagte ja schon mein Englischlehrer "When the going gets tough, the tough get going". Und nun, ein Weichei bin ich nicht. Doch nach ein paar Kilometern bereue ich es wirklich, losgefahren zu sein. Alles klatschnass, Wasser steht in meinen Schuhen und ich friere mich zu Tode. Wie als ob jemand Erbarmen mit mir gehabt hätte hört es pünktlich an der Abzweigung zum Hahntennjoch auf zu regnen. Und da es gleich zackig nach oben geht, hat sich das mit dem frieren auch schnell erledigt. Nächster Zwischenstopp nach der Passhöhe ist dann Imst im Inntal, wo ich mal wieder ein altbekanntes Problem habe: Wie findet man seinen Weg durch eine unbekannte Stadt, wenn alle Schilder einen nur Richtung Autobahn schicken? Mit Nach-Sonnenstand-Navigieren und Raten habe ich es dann doch irgendwie geschafft, auf die richtige Strasse zu kommen. In Sölden halte ich dann an der ersten Pension an und die haben sogar noch ein Zimmer. Erst später stelle ich fest, dass praktisch jede Pension noch freie Zimmer hat. Juli ist halt doch nicht gerade Skifahrsaison.

Von Sölden geht es ins Gurgler-Tal. Genaugenommen mache ich sogar noch zwei Kilometer Umweg, da ich "unbedingt" das Obergurgler Ortsschild sehen und dort eine Chemie-AG-Gedenkminute einlegen will -- ich war hier 1998 mit der besagten Chemie-AG meiner Schule. Danach geht es eigentlich nur noch bergauf bis zur Timmelsjoch-Passhöhe. Wunderschöne Berglandschaft, doch leider auch etwas arg kalt. Die Abfahrt vom Timmelsjoch beginnt haarig: Ein ca. 500 m langer unbeleuchteter Tunnel, mit zu allem Überfluss vielen Schlaglöchern im Belag. Da heisst es wieder nach Gefühl, Gehör und den Reflektoren am Strassenrand zu navigieren. Die Strecke nach Meran ist eine einzige Abfahrt, folglich war ich dort dann schon in ein bisschen weniger als einer Stunde. Nach wieder planlosem Wegesuchen finde ich die Strasse Richtung Spl¨genpass, der ich dann bis Schlanders folge.

Ostseite des Stilfser Jochs, Blick auf Ortler

Die Aufgabenstellung heute ist ganz einfach: Einfach bergauf. Von Schlanders geht es erst einmal relativ flach weiter bis Spondigna, bis zur Abzweigung zum Timmelsjoch. Dann geht es wirklich nur noch bergauf. Und bergauf, und bergauf. Liebenswerterweise sind die Kehren durchnummeriert -- 48 Kehren, wenn ich mich recht erinnere. Anfangs dachte ich, die 48 beziehe sich auf die Zahl der Kehren hoch- sowie abwärts. Doch bald musste ich erkennen, dass das Projekt etwas grösser als erwartet war. Allein war ich nicht, denn es gab wohl hunderte andere Radler -- und holländische Autofahrer -- die auch dort hoch wollten. Der Aufenthalt auf der Passhöhe war kurz, denn knapp über Null Grad trieben mich wieder runter ins Tal. Nach zwei hundert oder so Höhenmeter abwärts kurz runterschalten, zweimal treten und ich war schon auf dem nächsten Pass, dem Umbrail. Dann nur noch bergab, bis Sta. Maria. Einziges Problem hier: Ein gutes Stück der Umbrailpassstrasse ist nicht geteert, und mit einem Rennrad über Schotter zu fahren ist -- na ja-- nicht sonderlich entspannend (von sicher gar nicht zu reden).

Zum Schluss das grosse Finale: Ofenpass mal kurz vor dem Mitagessen, dann gleich weiter zum Flüelapass. Und dann genaugenommen nur noch Abfahrt. Gut, dazwischen lag noch der Wolfgangpass. Aber der ist -- wenn der Umbrailpass gestern ein guter Gag war -- von Davos aus kommend ein veritabler Schenkelklopfer. Danach ging es dann auf dem Rheindamm -- Stichwort: Hirn ausschalten und treten -- bis nach Altstätten, von wo es mit dem Zug heimging.

Entlang der Maas (April 2009)

Rad am Ring 2009

Bregenzerwald, Arlbergpass und Silvretta (August 2009)

Routenbeschreibung

  1. Friedrichshafen - Lindau - Scheidegg - Sulzberg - Hittisau - Egg - Au - Hochtannbergpass (1676 m) - Lech (ca. 155 km)
  2. Lech - Flexenpass - Arlbergpass - Sölden - Silvretta Hochalpenstrasse - Gaschurn (ca. 130 km)
  3. Gaschurn - Bludenz - Fontanella Joch - Damüls - Furka Joch - Laternser Tal - Rankweil - Bregenz - Friedrichshafen (ca. 175 km)

Nun bin ich ja eigentlich in meinem Sommerurlaub schon einiges Radgefahren (siehe oben) und die Verlockungen des Strandbades und bei meinen Eltern rumhängen waren auch gross, aber richtige Berge mussten doch sein. Und so kam diese Tour zu stande. Wie letztes Jahr, den See entlang nach Lindau, weiter nach Sulzberg und dann einmal quer durch den Bregenzerwald zum Hochtannbergpass. Doch anstatt nach der Passhöhe geradeaus zu fahren, bog ich diesmal nach rechts Richtung Lech ab. Ende erster Tag.

Zweiter Tag: Trotz Regens prügele ich mich aufs Rad und los geht es Richtung Flexenpass. Danach gleich weiter auf den Arlbergpass (der doch nicht ein Bonuspass ist, wie man auf der Landkarte meinen könnte -- es geht wieder ein gutes St¨ck nach oben) um dann schlussendlich das Vermunttal auf der Silvretta Hochalpenstrasse hochzuradeln. Spätestens auf dem Arlbergpass war auch der Regen weg und Mittags war das Wetter richtig gut, ja, bis ich oben am Silvretta Stausee stand. Richtung Montafon war es richtig rabenschwarz und irgendwie musste ich da jetzt durch. Kann ich nicht empfehlen, bei ströenden Regen sich durch Serpentinen bergab zu mogeln. Man sieht nichts und die Bremsen tun auch nicht 100 Prozent so, wie sie sollten.

Am letzten Tag ging es dann nochmal richtig in die Beine. Erst gemütlich einrollen von Gaschurn bis Bludenz, dann wieder alles, was ich runtergerollt war, nach oben: Nächster Stopp Fontanella Joch. War wirklich ein Schlauch. Relativ steil und man kommt eben aus einem tief liegenden Tal. Nach rasanter Abfahrt vom Fontanella Joch in Damüs mal kurz links abbiegen und schon wieder ging's aufwärts. Diesmal zum Furka Joch. Und danach endlich lang bergab -- einmal das ganze Laternser Tal entlang. Wunderbar, da keine Autos. Dieselbigen hatte ich dann für die letzten 100 km noch genug: Ersteinmal Bundesstrasse nach Lindau, und dann halt immer den See entlang.